421 Läufer beim Volkslauf “Rund um den Aussichtsturm”!

Neue Westfälische vom 20.05.2019, Berichte von Volker Krusche

Schon nach wenigen Metern zieht sich das Feld der Langstreckler mit den beiden späteren Siegern Stephan Bretthauer (2039) und Jessica Volkmann (794) auseinander. FOTO: KRUSCHE

Beim 37. Volkslauf des OTSV Pr. Oldendorf »Rund um den Aussichtsturm« unterbietet die Titelverteidigerin die Streckenbestzeit erneut

Die Familie feuert auf den letzten Metern an. Strahlend biegt Jessica Volkmann auf die Zielgerade am Waldfreibad ein. FOTO: KRUSCHE

Sie lässt sich in der Heimat nicht häufig bei Volksläufen sehen. Aber wenn doch, dann gleich richtig. Das war 2018 in Pr. Oldendorf so, das war auch in diesem Jahr nicht anders. Wie schon im Vorjahr dominierte Jessica Volkmann auch die 27. Auflage des Volkslaufs »Rund um den Ausssichtsturm« und verbesserte erneut den Streckenrekord. 2016 hatte sich die in Bielefeld lebende Hillerin dazu entschlossen, nicht nur für sich zu laufen, sondern auch mal an einem offiziellen Wettbewerb teilzunehmen. Und beim zweiten Start durfte sie sich bereits als Siegerin feiern lassen. Das war in Pr. Oldendorf. Und seitdem gibt sie am Wiehen gern ihre Visitenkarten ab. Zwar nicht als Teilnehmerin an der Mühlenkreisserie (»Die Läufe lassen sich für mich schwer planen«), aber zumindest als normale Starterin. Normal? Wohl eher nicht, denn schon bei ihrem zweiten Besuch in Pr. Oldendorf sicherte sich nicht nur erneut den Sieg, sondern auch den Streckenrekord auf der 20 Kilometer-Langstrecke. Und dieses Kunststück wiederholte die 27-Jährige nun am Sonntag bei ihrem Hattrick. In 1:20:41 Stunden blieb Volkmann vier Sekunden unterhalb ihres eigenen Rekordes. Das nennt man Timing. »Es war echt warm, aber das vergisst man, weil es hier im Wald so unfassbar schön ist«, so die Läuferin. »Jetzt freue ich mich aber erst mal aufs Wasser.« In diesem Jahr soll der Start in Pr. Oldendorf nicht der einzige im Mühlenkreis sein. »Ich bereite mich auf meinen ersten Marathon in September vor. Da brauche ich ein paar Läufe.« In erster Linie ist sie aber nicht in heimatlichen Gilden zu finden, »sondern eher in Bielefeld und Schildesche. « Angefeuert, und wenn nur auf den letzten Metern, wurde die neuerliche Oldendorfsiegerin von ihrer Familie. So wie 2018 – und das war mit dem Rekord ja schon ein gutes Omen.

Das Ziel vor Augen, der Blick auf die Uhr: Henry Brauns dominierte auf der 12,5 km-Strecke. FOTO: KRUSCHE

Als ein solches wertet auch Männersieger Stephan Bretthauer seinen Erfolg am Waldfreibad. »Unverhofft kommt oft«, sagt der Gesamtsieger von 2017, der im Vorjahr dem Hüllhorster Jan Isendahl in der Endabrechnung den Vortritt lassen musste. Diese Gefahr droht ihm diesmal nicht, denn Isendahl wird seinen Titel nicht verteidigen. »Ich befinde mich gerade in der Marathon-Vorbereitung. Da gibt es auf der Strecke nur einen Höhenunterschied von 78 Metern. In Pr. Oldendorf sind es gefühlt 400 Meter. Dass ich als Flachland-Gazelle hier gewinnen werde, habe ich nicht gedacht«, grinst Bretthauer. Nun wird er auch den schwersten aller Serienläufe, den Wartturmlauf in Lübbecke, angehen. »Da geht es ja nur einmal hoch und einmal runter. Hier aber denkt man, dass es endlich bergab geht, dann steht der nächste kurze Anstieg bevor.« Dabei war Bretthauer gesundheitlich nicht topfit. »Heute ging es mir von den letzten zehn Tagen aber noch am besten.« Mit Blick auf die weitere Serie strahlt der Mindener: »Das war heute ein absoluter Bonuspunkt für mich.«

Jennifer Göhner profitierte bei ihrem Sieg von der Abwesenheit der letztjährigen Topläuferinnen. FOTO: KRUSCHE

Unangefochten zieht derweil Henry Brauns seine Kreise. Vor allen Dingen einsam. Denn nach dem gesundheitlichen Aus von Mehrfachsieger Alexander Schröder ist in der Serie 1 derzeit weit und breit kein Konkurrent für den Läufer des Bessel-Ruder-Clubs in Sicht. Das wurde auf den Waldwegen des Wiehengebirges mehr als deutlich. Sage und schreibe fünf Minuten musste der Titelverteidiger auf der in Pr. Oldendorf 12,4 Kilometer langen Hauptstrecke warten, bis mit Björn Läufer vom TSV Treis der nächste »Mühli« das Ziel erreichte. »Nach 500 Metern habe ich mich vom Feld abgesetzt, es danach aber ruhig angehen lassen. Dennoch hat es mir wieder richtig Spaß gemacht.« Der 27-jährige, der in Münster studiert, hat sich neben der Serie ein zweites Ziel gesetzt: »Ich will über die zehn Kilometer beim Straßenlauf meine Bestzeit auf unter 34 Minuten drücken.« Erstmals auf dem Siegertreppchen stand Jennifer Göhner. Die Oeynhausenerin wusste den Erfolg aber richtig einzuschätzen: »Ich habe davon profitiert, dass die starken Läuferinnen des Vorjahres nicht dabei waren.«

 

Der zweimalige Gesamtsieger Sebastian Maschmeyer behauptet sich auf der Kurzstrecke knapp vor dem Bremer Lauritz Grote.

Bei den Frauen landet eine 16-Jährige vor einer 13-Jährigen auf Platz eins

Sebastian Maschmeyer ist wieder im Angriffsmodus. FOTO: KRUSCHE

Sebastian Maschmeyer befindet sich bereits im Angriffsmodus. 2014 und 2016 hat sich der Läufer aus Herringhausen schon jeweils als MKS-Gesamtsieger feiern lassen, zog 2015 in einem packenden Finish aber gegen Ruben Lüker den Kürzeren und musste in den beiden zurückliegenden Jahren jeweils Philipp Peixoto Gonzales den Vortritt lassen. Der Werster ist in dieser Saison auf der Kurzstrecke aufgrund eines Trainingsrückstands nach chronischen Magenproblemen (bislang) nicht dabei, so dass Maschmeyer seine Chance sieht. »Ich will die Serie in diesem Jahr gewinnen!«, unterstreicht der 41-Jährige. Zum Start in Werste noch nicht mit dabei, stürmte er in Preußisch Oldendorf als Erster aus dem Wiehengebirge kommend auf die Zielgerade am Waldfreibad und verteidigte seine drei Sekunden Vorsprung auf den Bremer Lauritz Grote. Dritter wurde Werste-Sieger Yannick Arndt vom ATSV Espelkamp, der eine halbe Minute Rückstand aufwies. »Ich habe mich nach etwa zweieinhalb Kilometer etwas abgesetzt und die Führung bis ins Ziel nicht mehr abgegeben«, so der zweimalige Seriensieger. »Aus meinen Ambitionen mache ich keinen Hehl. Meine Konkurrenten können das als klare Kampfansage werten.« Sebastian Maschmeyer sieht sich selbst eher auf den flachen Strecken zuhause. »Daher ist der Sieg hier besonders wichtig. Ich ziehe die flachen Strecken vor. Und in Friedewalde, Minden oder Porta muss man mich erst einmal schlagen.« Die Tatsache, dass 2019 nur noch vier statt zuvor fünf Läufe in die Wertung kämen, wäre eine sinnvolle Änderung. »Die kommt mir sehr entgegen«, so Maschmeyer, der vor drei Wochen in Hamburg gerade erst seine persönliche Marathon-Bestzeit auf 2:43 Stunden senkte. Siegerin bei den Frauen wurde Lisa Holm vom TV 05 Bohmte. Die 16-Jährige benötigte für die fünf Kilometer 22:18 Minuten und war damit sieben Sekunden schneller als ihre drei Jahre jüngere Widersacherin Lina Schnittgar von der TG Werste.