Vereins-Chronik

(mv) In Pr. Oldendorf wird seit über 100 Jahren vereinsmäßig Sport getrieben.

Der erste Pr. Oldendorfer Turnverein wurde am 11. Juli 1909 im damaligen Hotel Budde (ab 1913 Kappelmann) in der Bahnhofsstraße (heute Rathausstraße) von 33 Turnfreunden gegründet.

Abb. 1_Hotel Budde (Foto: Stadtarchiv Pr. Oldendorf)

Abb. 1_Hotel Budde                                            (Foto: Stadtarchiv Pr. Oldendorf)

Zu Ehren des Urvaters des Turnens, Friedrich Ludwig Jahn (1778 – 1852), erhielt der Verein den Namen: Turnverein Jahn Preußisch Oldendorf. Für die Turner galt der von Ludwig Jahn proklamierte Leitspruch: Frisch, fromm, fröhlich, frei. Die vier F´s dieses Wahlspruchs finden sich übrigens auch im sogenannten Turnerkreuz wieder, dem Emblem des Deutschen Turnerbundes. 

Abb. 2_„Turnvater Jahn“

Abb. 2_„Turnvater Jahn“

Abb. 3_Turnerkreuz

Abb. 3_Turnerkreuz

Dem Verein durften, wie damals üblich, nur Männer beitreten und für einen reibungslosen Ablauf der Turnstunden wurden Tugenden wie Gehorsam und Disziplin gefordert.

Abb. 4_Auszug aus der Satzung des TV Jahn

Abb. 4_Auszug aus der Satzung des TV Jahn

Als behelfsmäßige Turnhalle diente zuerst der gerade neu erbaute Saal der Gaststätte Budde.

Die erste richtige Turnhalle der damaligen Erziehungsanstalt Pollertshof wurde im August 1913 in der Jahnstraße, die daher ihren Namen erhielt, eingeweiht. Im Turnverein Jahn wurde nicht nur geturnt; innerhalb des Vereins existierte sogar eine Theatergruppe.

Abb. 5_Innenansicht der Turnhalle Jahnstraße, Knabenturnen 1946 (Foto: Stadtarchiv Pr. Oldendorf)

Abb. 5_Innenansicht der Turnhalle Jahnstraße, Knabenturnen 1946                                             (Foto: Stadtarchiv Pr. Oldendorf)

Abb. 6_Fahnenweihe 1913

Abb. 6_Fahnenweihe 1913

Die alte Vereinsfahne von 1913 hängt heute über der Zuschauertribüne in der Turnhalle am Offelter Weg.

Während des Ersten Weltkrieges lag der Turnbe­trieb völlig brach und wurde erst nach Kriegsende im März 1919 wieder aufgenommen. Neben der Turnhalle nutzten die Turner nun auch die alte „Wilken Wiese“ vor der Turnhalle als Sportplatz.

Am 21. Mai 1920 wurde im damaligen Gasthof Vrehe der Sportverein Union Preußisch Oldendorf gegründet. Die Sportsfreunde entschieden sich für die Vereinsfarben rot und weiß. Der neue Sportverein widmete sich dem Fußballsport und der Leichtathletik und nutzte zu diesen Zwecken „Spiegels Wiese“, auch „Spiegels Busch“ genannt, in Engershausen.  Damals marschierte man noch mit Gesang zum Sportplatz und auch wieder zurück. Zu den auswärtigen Spielen fuhren die Sportsmänner mit dem Fahrrad oder mit der Bahn.

Der Turnverein Jahn Preußisch Oldendorf und der Sportverein Union Preußisch Oldendorf vereinigten sich erstmals im Februar 1921 zum Turn- und Sportverein Preußisch Oldendorf.  Beide Vereine behielten als eigenständige Abteilungen ihre vorherigen Beinamen und ihre Vorstände. Der junge Turn- und Sportverein richtete gleich am 19. Juni 1921 ein großes Turn- und Sportfest auf dem Marktplatz aus mit einem Fußballturnier, leichtathletischen Wettkämpfen, Geräteturnübungen, Festumzug und anschließendem Festball.

Die mittlerweile fast 50 Mitglieder starke Turnabteilung gründete 1921 die erste Damenriege.

Nach eineinhalb sehr aktiven Jahren trennten sich die beiden Abteilungen wieder zwangsweise in die alten Vereine, da 1922 die Deutsche Turnerschaft und der Deutsche Fußballverband gemeinsame Turn- und Sportvereine verboten hatten. Im Inflations- und Krisenjahr 1923 lösten sich beide Vereine praktisch auf.

Am 14. April 1925 schlossen sich die Sportler als Turn- und Sportabteilung an den vom Fabrikanten Wilhelm Vortmeyer geführten Kriegerverein an. Die Leitung dieser neuen Abteilung übernahm Enno Stramann, der über 15 Jahre den Vereinsvorsitz der Turn- und Sportabteilung innehatte, auch später im VfL Jahn Pr. Oldendorf. Neben Fußball und Turnen wurde im Kriegerverein auch Leichtathletik, Schlagball und Schießsport betrieben.

Bereits im August 1925 errichtete der Kriegerverein neben der Turnhalle in der Jahnstraße einen neuen richtigen Sportplatz mit Sitzgelegenheiten. Die Vereinsfarben waren jetzt schwarz und weiß, entsprechend den Farben des Kriegervereins.

Abb. 7_Fußball-Mannschaft etwa 1927

Abb. 7_Fußball-Mannschaft etwa 1927

Vorne sitzend: Karl Deeke, Willi Köster, Willi Janwlecke

Mitte: Kurt Barlach, Hermann Gerkens, Hermann Melcher

Hinten: Schiedsrichter aus Bielefeld, ? Bestert, Willi Westerhold, Fritz Gerkens, Fritz Janwlecke, Fritz Blesse

  

Am 29. Mai 1925 wurde im Gasthof Nordsieck von 20 Gründungsmitgliedern der Schwimmverein Preußisch Oldendorf ins Leben gerufen. Im gleichen Jahr erfolgte der Bau eines Freischwimmbades am Bodenbach mit einem 20 x 20 Meter-Becken. Das erste große Schwimmfest am 26. Juli 1926 hatte rund 1000 Zuschauer.

Abb. 8_Badeanstalt Bodenbach, 1930 (Foto: Stadtarchiv Pr. Oldendorf)

Abb. 8_Badeanstalt Bodenbach, 1930            (Foto: Stadtarchiv Pr. Oldendorf)

 1927 ließ Wilhelm Vortmeyer die „Hindenburghalle“ als Reit- und Turnhalle erbauen. Herr Vortmeyer finanzierte dieses Projekt aus eigenen Mitteln und erwies sich immer wieder als großzügiger Förderer des Sports. Die neue Halle bot optimale Trainingsmöglichkeiten und war derzeit die größte Sporthalle der Kreise Lübbecke und Minden.

Abb. 9_Hindenburghalle (Foto: Stadtarchiv Pr. Oldendorf)

Abb. 9_Hindenburghalle                                   (Foto: Stadtarchiv Pr. Oldendorf)

Der gesamte Turnbetrieb stand seit 1928 unter der Leitung von Oskar Hegewald, der sich dafür einsetzte, dass am 14.11.1930 wieder ein eigenständiger Turnverein Pr. Oldendorf gegründet wurde. 1932 erweiterte er die Herren- und Damenriege um eine Alters- und eine Kna­benriege. Außerdem wurde das Vereinsangebot um den Handballsport erweitert.

Am 10. April 1931 gründeten 27 Sportfreunde im Gasthof Kappelmann wieder einen Fußballverein, den Oldendorfer Sport-Club (OSC).

Mit finanzieller Hilfe von Wilhelm Vortmeyer legten die OSC-Mitglieder den legendären Sportplatz auf dem Marktplatz vor der Hindenburghalle an.

Anfang 1934 gründete der OSC auch eine Damenfeldhandballmannschaft.

Abb. 10_Mitgliedsausweis OSC

Abb. 10_Mitgliedsausweis OSC

Abb. 11_OSC Mannschaft, 1932

Abb. 11_OSC Mannschaft, 1932

 

        

Betreuer Fritz Telkemeier, Walter Pieper, Fritz Müller, Fritz Köster, Willi Köster,

Walter Wieck, Emil Hilling, Ernst Ernicke, Fritz Blesse, Fritz Gröne, Fritz Stohlmann, Heinrich Wieck,

Vorsitzender Karl Große-Schweinefuß

 Im April 1933 nahm der Turnverein Preußisch Oldendorf wieder den Beinamen „Jahn“ an. Ab jetzt mischte sich die Politik massiv in die Belange der Vereine ein. Im Zuge der nationalsozialistischen Gleichschaltung durfte nur noch der Vereinsvorsitzende frei gewählt werden. Die restlichen Vorstandsmitglieder, die zu 51% aus NSDAP-Mitgliedern bestehen mussten, wurden nach dem neuen „Führerprinzip“ ernannt. Auch die Vereinssatzung musste bis zum 1. Februar 1935 gemäß der nationalsozialistischen Richtlinie angepasst werden. Die von Oskar Hegewald gegründete Knabenriege des TV „Jahn“ wurde zwangsweise wieder aufgelöst und im Februar 1937 in die HJ überführt.

Im TV Jahn spielte man bereits 1934 wettkampfmäßig in der 2. Kreisklasse Faustball. Diese Mannschaft bestand bis zum 2. Weltkrieg. Im gleichen Jahr schlossen sich der Schwimmverein und der Eichenkreuzturnverein (CVJM) dem TV Jahn Pr. Oldendorf an. Ab September 1935 gab es für die männlichen Mitglieder auch die Sparte Schießsport (Kleinkaliberschießen).

Abb. 12_Landesturnfest in Minden, 1934

Abb. 12_Landesturnfest in Minden, 1934

Abb. 13_Ausflug TV Jahn, 1935

Abb. 13_Ausflug TV Jahn, 1935

Am 23. April 1937 fusionierten der Turnverein Jahn und der OSC Pr. Oldendorf zum Verein für Leibesübungen Jahn Pr. Oldendorf kurz VfL Jahn als Unterabteilung des Reichsbundes für Leibesübungen. Als Sparten blieben Geräteturnen, Frauenturnen, Fußball, Leichtathletik, Kleinkalibersport und Boxenschwerathletik. Die Faustballmannschaft stellten weiterhin die Turner.

Abb. 14_Mitgliedsausweis VFL Jahn

Abb. 14_Mitgliedsausweis        VFL Jahn

Abb. 15_Verpflichtungserklärung VFL Jahn, 1937

Abb. 15_Verpflichtungserklärung   VFL Jahn, 1937

Die letzte Vorkriegssaison 1938/39 verlief für die Fußballer des VfL Jahn noch einmal erfolgreich. Es fand letztmals vor dem Zweiten Weltkrieg ein großes Sportfest mit renommierten Mannschaften des BVB Borussia Dortmund und des DSC Arminia Bielefeld statt.

Der Turn- und Sportbetrieb kam dann ab September 1939 mit dem Beginn des Zweiten Weltkrieges fast völlig zum Erliegen.

Nach dem Krieg gründeten die Fußballspieler bereits im Sommer 1945 wieder den OSC.

Abb. 16_OSC Mannschaft, 1948

Abb. 16_OSC Mannschaft, 1948

 

 

 

Vorsitzender Arnold Zitzewitz, Wilfried Meyer, Martin Pott, Günter Kasse, Willi Köster, Hermann Zumpe, Adolf Wieck, Karl-Heinz Rohlfes, Ernst Huge, Erich Furras, Walter Brandt, Günter Greschuschna

Bild unten: H. Podranski, W. Meyer, A. Schuh, G. Kasse, H. Reinecke, Perplis, H. Pollert, E. Huge, W. Lohmeyer, T. Köss, K.-H. Rohlfes

Abb. 17_OSC Mannschaft um 1950 auf dem Platz an der Hindenburghalle

Abb. 17_OSC Mannschaft um 1950 auf dem Platz an der Hindenburghalle

1952 bildete sich wieder der VfL Jahn.

Abb. 18_Einladung zur Gründungsversammlung VFL Jahn, 1952

Abb. 18_Einladung zur Gründungsversammlung VFL Jahn, 1952

Abb. 19_Werbeturnfest Turnhalle Pollertshof, 1952 (Foto: Stadtarchiv Pr. Oldendorf)

Abb. 19_Werbeturnfest Turnhalle Pollertshof, 1952               (Foto: Stadtarchiv Pr. Oldendorf)

 

Im Winter 1962 wurde das Gemeindehaus des Pollertshofes mitsamt der angebauten Turnhalle bei einem Brand zerstört. Zum Glück wurde wenige Jahre später an der Städtischen Mittelschule (Realschule) eine neue Sporthalle erbaut.

Abb. 20_Brandruine Pollertshof, 1962 (Foto: Stadtarchiv Pr. Oldendorf)

Abb. 20_Brandruine Pollertshof, 1962           (Foto: Stadtarchiv Pr. Oldendorf)

Abb. 21_Kreisturnfest in Pr. Oldendorf anlässlich des 60jährigen Vereinsjubiläums, 1969 Turnwart Fritz Pinsch, vorne mit Schild: Norbert Pinsch

Abb. 21_Kreisturnfest in Pr. Oldendorf anlässlich des 60jährigen Vereinsjubiläums, 1969
Turnwart Fritz Pinsch, vorne mit Schild: Norbert Pinsch

1972 schlossen sich die Fußballer und die Turner zum Oldendorfer Turn- und Sportverein, kurz OTSV Preußisch Oldendorf e. V. zusammen.

Schon 1975 wurde die Sparte Volleyball eingerichtet, zunächst mit einer Damenmannschaft und mit einer männlichen Hobbygruppe. Die Volleyballabteilung hat sich schnell zu einer sehr erfolgreichen Abteilung entwickelt, die im weiblichen Jugendbereich sogar mehrfach Westdeutsche und Deutsche Meisterschaften in Pr. Oldendorf ausgerichtet hat.

Abb. 22_Volleyball DM 2009 U18 weiblich

Abb. 22_Volleyball DM 2009 U18 weiblich

Ab 1981 bildete sich für einige Jahre eine Radsportabteilung.

Seit 1983 richtet der OTSV den beliebten Volkslauf „Rund um den Aussichtsturm“ aus, der Teil der Mühlenkreisserie ist. Von 1986 bis 1999 gab es eine Abteilung Bahnengolf, die auf Kreisliga-Ebene sehr erfolgreich Minigolf spielte. Die Abteilung Schwimmen stellte 1999 die Aktivitäten ein.

Im Jahr 2007 konnte der OTSV sein eigenes Vereinsheim am Offelter Weg einweihen, das zum Großteil in Eigenleistung erbaut wurde. Seitdem werden im vereinseigenen Kursraum vielfältige Fitness- und Gesundheitskurse für alle Altersgruppen angeboten.

Abb. 23_Vereinsheim

Abb. 23_Vereinsheim

Abb. 24_Jubiläumslogo

Abb. 24_Jubiläumslogo

Im Jahr 2009 wurde ein großes Jubiläumsfest unter dem Motto „100 Jahre Sport in Pr. Oldendorf“ gefeiert.                      

Heute gibt es im OTSV die Sparten Fußball, Leichtathletik, Turnen, Volleyball und seit 2016 auch Basketball; außerdem ein umfangreiches Kursangebot für Mitglieder und Nichtmitglieder.

 

Quellen: Jubiläumsbuch, OTSV-Chronik von Th.Bolte

Fotos u. Dokumente: Stadtarchiv Pr. Oldendorf, Jubiläumsbuch, private Sammlungen

Weitere Berichte und Fotos aus der Geschichte unseres Sportvereins aus den Jahren 1909 bis 2009 finden Interessierte in unserem Jubiläumsbuch „100 Jahre Sport in Pr. Oldendorf“, erhältlich in der Geschäftsstelle in unserem Vereinsheim.